„Die verteilte Freiheit“ – Allgemeine Hinweise
In dem Buch „Die verteilte Freiheit“ Mecklenburger Nachwendewege kommen mehrere Protagonisten aus der Wende- und Nachwendezeit zu Wort.

Die Geschichten spielen in den Jahren von 1989 bis Mitte der 90er Jahre.

Ich nahm die spannende Zeit intensiver unter die Lupe. Während die Einen strebten, die Anderen taumelten. Viele DDR-Bürger standen plötzlich im „Regen“. Mit der Freiheit kam allzu häufig der Lebensbruch. Neben der Freude über Freiheit und Demokratie wuchsen Unsicherheit und Angst, deren Herausforderungen die Menschen nicht gewachsen waren. Enttäuschung über nicht eingehaltene Versprechen – Verbitterung und Wut über Betrug breitete sich aus.
Das Leben in der DDR wahrheitsgemäß aufzuarbeiten bedeutet, den oftmals beschwerlichen Alltag der Menschen, ihre Gefühle und Sehnsüchte, aber auch Auseinandersetzungen mit den Machthabern darzustellen. Ein jeder hat seine spezifischen Erfahrungen in der DDR, nun auch während der Friedlichen Revolution und der Nachwendezeit gemacht.
In diesem Buch geht es um die Bürgerbewegung, das neue Forum und Demonstrationen – der Friedlichen Revolution und dem Runden Tisch des Kreises Ludwigslust. Aber auch Treuhand, Abwicklung des Kreisbetriebes für Landtechnik (KfL) Ludwigslust, den ersten Bürgermeister von Ludwigslust, dem ersten Frauenhaus in Schwerin sowie Ämter- und Kreisreform. Selbst der geplante Transrapid bleibt nicht unerwähnt.
Was war denn nach der Grenzöffnung noch normal? Die DDR-Menschen mussten den Hügel der Ungewissheit emporsteigen. Sie kannten die Spielregeln der BRD nicht. Die langen Schatten der Diktatur mit Unterwerfung setzten sich bei manch einem in Fleisch und Blut fest. Bevormundung führte zu Ohnmacht. Es gab zahlreiche DDR-Bürger, die sich zufrieden und behütet fühlten, weil alles geregelt war. Nun gibt es fremde Gesetze – alles ist ungewohnt.
Die ersten freien Wahlen am 18.März 1990 gaben die Richtung vor. Unmittelbar nach dieser Wahl lodern immer mehr Bedenken hinsichtlich drohender Arbeitslosigkeit. Die Treuhand wurde aus der Taufe gehoben. Wirtschaft ade – alles um sie herum brach zusammen. Berufe und Ausbildungen wurden aberkannt, Diplome null und nichtig. Existenzen trotz langjährigen Bildungsweg und Schufterei auf Schlag unbedeutend – zerstört. Das sorgte für Spuren, war mit gravierenden Identitätsverlusten behaftet und hinterließ Narben, bei manch einem heilten sie nie.
Massenarbeitslosigkeit – wo bekomme ich einen neuen Job her?
Wenn auch schon unzählige Bücher jene Zeit beschreiben, lohnt sich das Lesen dieses Buches trotzdem. Es ist keineswegs reine Regionalgeschichte.

Eine neue Generation ist herangewachsen. Grenze mit Mauer, Stacheldraht, Hunden an Laufleinen kennen sie  im Höchstfall aus Erzählungen. Die Bedeutung und Folgen der Friedlichen Revolution für ihre Eltern und Großeltern-Generationen erfahren sie hier an authentischen Berichten. So oder ähnlich ist es hundertfach auf ehemaligem DDR-Territorium passiert.