DDR, Geschichte, Mecklenburg-Vorpommern Elke Ferner

Karins wiederholt gestellter Ausreiseantrag in den Westen endet mit ihrer Inhaftierung; das mögliche Schlimmste wird Realität: Man trennt sie von ihrem Sohn, sie erfährt nichts über seinen Verbleib - so beginnt das Martyrium einer Mutter ...

Vom Sieg einer starken Frau über die Irrtümer in einem eingeklemmten Land.


Inhalt und Anliegen des Buches

„In weißer Nacht der Schwarze Tag“

 

Das Unglück schlug in meiner Familie mehrfach mit voller Härte zu.

So verlor ich meine Mutter durch ein Verbrechen, dem ich mit zarten Kinderaugen zusah und dadurch ohne Eltern aufwuchs. Meine Großmutter im Alter von 64 Jahren übernahm fast zehn Jahre die Aufgabe und Verantwortung für mich und meinem jüngeren Bruder bis eine Krankheit sie dahin raffte. Kinderheimzeit blieb mir deshalb nicht erspart. Ich musste mein geliebtes Bauernhaus verlassen, das Umfeld, wo ich jeden Baum und Strauch kannte, ein unbekanntes Terrain mit einfach zu vielen Menschen betreten. So viel Lärm und Unruhe war ich nicht gewöhnt. Hinzu kam die Trennung von meinem Bruder, die unsagbar schwer wog. Schließlich gab es nur noch ihn – nichts weiter.

Hilflos in einer neuen Umgebung, die Sonntage mit militärischem Drill im Kinderheim, keinerlei Privatsphäre sowie ein übergestülpter Kollektivgeist entsetzte mich. Niemand ging auf mich ein.

„Wie kann ein Kind denn ertragen, wenn es sieht, wie seine Mutter erschlagen wird? Das geht doch gar nicht! Und wenn doch, wie gehen wir Erwachsenen dann mit diesem Menschenkind um? Wie erlebt so ein Kind uns – als Erzieher im Heim oder draußen? Davon handelt dieses Buch“, schreibt der Wiedenverlag und spricht mir damit aus dem Herzen.

Es geht um keine Anklage, sondern um Ursache und Wirkung. Es handelt sich um den Versuch, die Folgen einer geschädigten kindlichen Seele zu erklären.

Nicht alle Kinderheime in der DDR waren schlecht – auch änderte sich in den 70iger Jahren manches. Ich studierte selbst Heimerzieherin, um es besser zu machen: Mein Heimleiter versuchte das Studium zu verhindern, mein Ansinnen aber nicht. Und so erhielt ich beim zweiten Versuch die Chance meinen Traumberuf doch zu ergreifen.

Ich möchte vor Augen führen, weshalb es solche Einrichtungen geben musste und muss und jedes Kind es anders erlebt und empfunden haben kann. Alle, die dort sind oder waren, tragen zumeist einen schweren Rucksack mit sich.

Wie viel Grausames müssen unzählige Seelen durch Krieg, durch Flucht, durch gestörte Familienverhältnisse oder sexuellen Missbrauch erleiden! Ihnen sollen meine Lebensmarten, über die ich in diesem Buch berichte, eine Stimme geben.

Es ist wirklich eine einzige Hommage gegen die Gewalt, die ihr Gesicht gerade heute immer hemmungsloser veröffentlicht. Genau deshalb ist dieses Buch für mich von großer Bedeutung.


DDR, Geschichte, Mecklenburg-Vorpommern Elke Ferner

Da streift man so durch sein Leben, hat vieles erfahren und einiges gelernt; Erinnerungen keimen, paaren sich mit reifen Tagen, recken kess den Hals und melden sich zu Wort.

Elke Ferner ist nie des Federlesens müde geworden, nun drückt die Feder gegen das Papier; -was drauf steht, ist Ertrag - eben des Federlesens Wert.




Wie so viele Angehörige der jetzt älter gewordenen Ostdeutschen prägte die DDR auch die Autorin Elke Ferner. Im Arbeiter-und-Bauern-Staat stand sie "ihren Mann", übernahm Verantwortung, quälte sich mit Unzulänglichkeiten des täglichen Lebens und der Gleichgültigkeit ihrer Zeitgenossen.

 

Heute, 25 Jahre nach dem Beitritt der DDR zur BRD, schüttelt sie verwundert den Kopf über die Ahnungslosigkeit vieler jungen Leute, was und wie jener Staat eigentlich war. Rückerinnerung an ein erfolglos gebliebenes Wagnis, nach dem verlorenen 2.Weltkrieg in einem Teil Deutschlands eine sozialistische Gesellschaft einzurichten, wünschen die Protagonisten der heutigen Berliner Republik nicht. Dabei ist es unerlässlich für ein Geschichtsbild der Nachgeborenen zu wissen, warum die DDR entstand, wie sie funktionierte und weshalb sie letztlich unterging.

Elke Ferner, einleuchtendes Beispiel für Realitätssinn, tut, was sie kann: Sie schreibt auf, wie die DDR war. Ihre Anekdoten stellen stets die Grundfrage: Amboss oder Hammer sein; die Botschaft ist einfach und klar. Mögen sich interessierte junge Leute auf sie berufen und weniger auf Lehrkräfte, die bewusst oder unbewusst zur Manipulation jener Schutzbefohlenen beitragen.


DDR, Geschichte, Mecklenburg-Vorpommern Elke Ferner

Bei meiner Großmutter aufgewachsen, tief verwurzelt in Mecklenburg, bin ich tagtäglich vom Plattdeutschen umgeben. Diese Mundart ist mir von Kindesbeinen an geläufig. Nun entspreche ich den Wünschen meiner Leser und schreibe Anekdoten auf Platt. Der Vortrag in dieser wunderbaren Sprache vermittelt die Botschaften meiner kleinen Geschichten noch intensiver.